Die Geschichte der Volksschule Steinach in Tirol

Die Geschichte des Schulwesens in Steinach lässt sich bis ins 17. Jahrhundert zurückverfolgen. Der bekannte Volkskundler und Historiker Dr. Hermann Holzmann schrieb im "Dorfbuch" dazu:

"1633 wird Hans Peeringer, Schuelleiter zu Stainach erwähnt, (...) Die Anführung lässt vermuten, dass schon früher eine eigene Schule bestanden hat, zumal schon im 16. Jahrhundert mehrfach (...) erwähnt wird, dass die Kinder in die Schule gehen mussten. 1647 und 1670 hatte Simon Lenner (Schönberg), das Amt des Schulmeisters inne. 1834 erwähnt die Chronik von Haller, dass es nur ein Schulzimmer gab, das zwischen dem heutigen Widum und dem Mesnerhaus gelegen war. Nach dem Brand von 1853 wurde es als Schul- und Mesnerhaus neu erbaut."(1)

In diesem Gebäude, in dem sich heute der Pfarrsaal und Wohnungen befinden, war die Schule in der Folge fast 100 Jahre lang untergebracht. Der Steinacher Ortschronist, Kommerzialrat Hans Stockhammer, schrieb anlässlich der Sportplatzeinweihung 1993 in einem Aufsatz -"Unsere Schule einst und jetzt" - über die Zeit um 1900:

"Im Steinacher Pfarrwidum wurde der Unterricht in einem Raum von einer Schulschwester vom Orden der 'Barmherzigen' abgehalten. (...) Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts hatten kirchliche Stellen für die äußerst kärgliche Entlohnung der Lehrkräfte aufzukommen. Der erste Ortsschulrat in Steinach wurde 1890 gewählt und seine erste Aufgabe war, für eine zweite Schulklasse Sorge zu tragen. Pfarrer Pittrich gab seine Zusage dafür wieder im Pfarrwidum. (...) Seit 1890 hatte die Entlohnung der Lehrkräfte durch die Gemeinde zu erfolgen. (...) Für die Beheizung der Klassenzimmer mussten Holzscheiter mitgebracht werden. (...) Knaben und Mädchen wurden in je einer Klasse getrennt unterrichtet und zwar bis zum 14. Lebensjahr."(2)

Nach der Jahrhundertwende nahm die Schülerzahl dann stetig zu, wurde schulische Bildung immer wichtiger.

"Der Lehrer Anton Hohlbrugger aus Lana wurde 1906 als Leiter der Steinacher Volksschule angestellt. 1918, sofort nach Ende des 1. Weltkrieges, musste, der ständig steigenden Schülerzahlen wegen, eine dritte Schulklasse eröffnet werden - wiederum im Widumsgebäude. Bald war aber ein vierter Schulraum nötig und Anton Tschager von Trins wurde von der Bezirkshauptmannschaft als Schuldirektor an die Steinacher Volksschule verpflichtet. Damit waren die Möglichkeiten in der Widumschule erschöpft."(3)

In der Folge mussten einige Klassen aus Platzgründen disloziert werden. Am 14. Juli 1947 fasste der Gemeinderat unter Bürgermeister Franz Wessiack den Beschluss zum Bau eines eigenen Schulhauses im "Stricknerfeld", das die Volksschule und die 1950 eingeführte Hauptschule aufnehmen sollte. Die Gemeindebürger hatten während des Baus Robotschichten zu leisten. Am 21. September 1952 war es schließlich soweit: Das stattliche Gebäude wurde in festlichem Rahmen eingeweiht und eröffnet.


In Steinach bestand damals die einzige Hauptschule des Wipptales. Die Volksschuloberstufe war in dieser Zeit noch die übliche Schulform. Viele Schüler pendelten daher aus den umliegenden Gemeinden nach Steinach. Aufgrund der starken Zunahme der Schülerzahl, wurde das Gebäude bald zu klein. So entschlossen sich die Gemeinden des Wipptales 1964, einen Zubau - Turnsaal, Küche - und ein eigenes Volksschulgebäude zu errichten. Am letzten Schultag des Schuljahres 1963/1964 wurde der Spatenstich durch Bürgermeister Walfried Reimeir vorgenommen. Die Zeit drängte!

Bereits im Schuljahr 1965/1966, als in der Hauptschule der 2. Klassenzug eingeführt wurde, mussten wegen der Raumnot zwei Klassen der Volksschule am Nachmittag unterrichtet werden. Im darauffolgenden Schuljahr waren schon fünf Klassen von dieser Notmaßnahme betroffen. Groß war daher die Erleichterung, als am 12. Feber 1967 das Volksschulgebäude und der Zubau zur Hauptschule eingeweiht wurden. Davon nahm auch die Presse Kenntnis.

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Vorerst fanden darin sieben Volksschulklassen mit 133 Knaben und 103 Mädchen Platz. Bis zum Herbst 1989 waren im Keller außerdem der Polytechnische Lehrgang und später auch die Sonderschule untergebracht. In weiterer Folge wurden 1984 der zweite Turnsaal und 1989 ein eigenes Gebäude für den Polytechnischen Lehrgang und die Sonderschule - heute "Sonderpädagogisches Zentrum Wipptal" - errichtet. Den Abschluss der Erweiterungsbauten im Schulkomplex bildete der Bau des Sportplatzes 1993.


In den darauffolgenden Jahren wurden die Schulgebäude baulich und thermisch saniert und modernisiert. Computerarbeitsplätze in allen Klassen ermöglichen einen zeitgemäßen Unterricht, der auch das Internet miteinbezieht. Eine gemütliche, reichhaltig bestückte Bücherei animiert zum Schmökern und fördert die Leseerziehung. Eine große Wohnküche ermöglicht die schulische Tagesbetreuung unserer Kinder.

(Stefan Auer)

Zitate:
(1): Hausblatt, Blatt 8; aus dem Dorfbuch des Dr. Hermann Holzmann
(2) und (3): Aufsatz "Unsere Schule einst und jetzt" des ehemaligen Ortschronisten Kommerzialrat Hans Stockhammer anlässlich der Sportplatzeinweihung 1993

Quellen:
*Dorfbuch des Dr. Hermann Holzmann
*Aufsatz "Unsere Schule einst und jetzt" des ehemaligen Ortschronisten Kommerzialrat Hans Stockhammer anlässlich der Sportplatzeinweihung 1993
*Chronik der Volksschule Steinach
*Chronik der Hauptschule Steinach
*Ortschronik der Marktgemeinde Steinach
Ein herzlicher Dank gilt dem ehemaligen Ortschronisten Kommerzialrat Hans Stockhammer für seine freundliche Hilfe.

Bildnachweis:
*Die Schwarzweißfotos sind der Volksschulchronik entnommen; die Urheber waren leider nicht eruierbar.
*Das gemalte Bild stammt vom ehemaligen Volksschuldirektor Alois Mader und ist der Volksschulchronik entnommen.
*Das Farbfoto von der Einweihung des Sportplatzes wurde vom früheren Hauptschuldirektor Manfred Jakober 1993 aufgenommen.
*Alle übrigen Aufnahmen wurden von Andrea Lobenwein und Stefan Auer erstellt.

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